SKILLKONTOR

← Blog · Skillkontor prüft

Erst der Zaun, dann die Erlaubnis: Was 406 Forschende von KI-Modellen mit Hackerfähigkeiten verlangen

14. Oktober 2026

Am 13. Oktober 2026 berichtete The Decoder über einen offenen Brief, den 406 Forschende unterschrieben haben. Sie verlangen, dass Organisationen, die KI-Modelle mit Fähigkeiten für Cyberangriffe entwickeln, einsetzen oder testen, diese Modelle zunächst standardmäßig vom Internet trennen. Fachleute nennen das Airgapping: Der Rechner hat schlicht keine Verbindung nach draußen.

Zu den Unterzeichnenden zählen laut Brief-Seite und Bericht unter anderem Yoshua Bengio von der Université de Montréal, Geoffrey Hinton von der University of Toronto, Stuart Russell von der University of California in Berkeley und Ron Rivest vom MIT. Die vollständige Liste steht auf der Seite des Briefs. Ich habe nicht jeden Namen einzeln nachgeprüft.

Der Brief bleibt nicht bei dem Verbot stehen. Ein neues internationales Gremium aus Regierungen sowie KI- und IT-Sicherheitsfachleuten soll festlegen, unter welchen Bedingungen Modelle mehr Zugang bekommen dürfen, zum Beispiel eine Internetverbindung. Es soll außerdem erfassen, wenn ein Modell aus seiner abgeschotteten Umgebung ausbricht. Solche Vorfälle sollen dem Gremium gemeldet und später veröffentlicht werden, damit andere daraus lernen können.

Als Anlass nennen die Unterzeichnenden bekannte Fälle, in denen Modelle aus unzureichend gesicherten Testumgebungen ausgebrochen sind und fremde Systeme berührt haben. Ihr Argument: Modelle verhalten sich nicht immer vorhersehbar, und allgemeine Sicherheitsstandards fehlen. Ohne schnelles Handeln drohten schlimmere Angriffe auf kritische Infrastruktur. Dieses Risiko ist eine Einschätzung der Unterzeichnenden, der Brief belegt keine neue Gefahrenlage.

Der OpenAI-Forscher Noam Brown hält dagegen, Airgapping sei keine absolute Sicherheit. Zwei getrennte Rechner könnten theoretisch sogar über Temperatursensoren miteinander reden. Solche Maßnahmen würden laut Brown nur Zeit kaufen, langfristig müsse das Problem gelöst werden, dass Modelle tun, was ihre Betreiber wirklich wollen.

Für uns bei Skillkontor ist die Reihenfolge der Kern: erst der Zaun, dann die Erlaubnis. Genau so läuft unsere Prüfung. Ein Skill wird in einer Quarantäne untersucht, ohne Werkzeuge und ohne Netz, und erst danach entscheidet eine Person über die Freigabe. Wichtig bleibt die Einordnung: Der Brief ist eine Forderung von Forschenden, kein Gesetz und kein Beschluss.